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Nadja Maleh, Kurier-Kolumne, Juli 2020

Upskirting und Downsizing

Upskirting ist das heimliche Fotografieren unter den Rock oder in den Ausschnitt einer Frau, und das soll demnächst in Österreich unter Strafe gestellt werden. Hui, ... ich hab überhaupt nicht gewusst, dass es bis jetzt erlaubt war! Upskirt-Bilder oder Videos dienen oft voyeuristischem Interesse, heißt es auf Wikipedia. Oft? Nur oft? Nicht immer? Ähm, welchem Interesse denn sonst? Medizinischem Interesse an der durchschnittlichen Beschaffenheit der G´spaßlaberln von Österreicherinnen? Modischem Interesse am Design heimischer Unterwäschelabels? Ich glaube, wir können uns darauf einigen, dass Upskirting immer voyeuristischem Interesse dient und daher eindeutig unter sexuelle Belästigung fällt. Außer, es geschieht freiwillig. Marylin Monroe posierte mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ganz zufällig über dem Windkanal, jeder kennt ihr berühmtes Flying-Skirt Foto. Aber die durchschnittliche Österreicherin von heute steht halt eher selten mit wallendem weißem Rock gutgelaunt über stinkerten Windkanälen herum und wartet auf jemanden, der davon ein bezauberndes Foto macht.
Und ich frage mich, wie man solche heimlichen Schnappschüsse rein technisch überhaupt macht? Montiert man eine kleine Kamera auf der Schuhspitze? Mini Bodendrohnen? Oder kriecht man spontan am Boden herum unter Vortäuschung falscher Tatsachen à la „Ich bin Koleopterologe, gnädige Frau, das Käfersammeln ist meine Leidenschaft! Stop, nicht bewegen, genau unter Ihnen sitzt ein ganz ein seltenes Exemplar!“
Nach zahlreichen Petitionen, Beschwerden und Zwischenfällen wird Upskirting nun endlich strafbar. Bis jetzt galt: Foto machen: wurscht, Foto veröffentlichen: nicht mehr wurscht. Mein Fazit: Upskirting weiblicher Intimzonen korreliert mit Downsizing männlicher Gehirnzonen. Und gehört bestraft. Punkt.

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Nadja Maleh, Kurier-Kolumne, Juni 2020

#unhatehuman

Ich habe dieser Tage bei einer wichtigen Aktion mitgemacht. Der Fotograf Andreas Hochgerner zeigt mit seinem Fotoprojekt #unhatehuman auf, dass Betroffene von Hass im Netz nicht alleine sind. Wörter können ... Waffen sein, und Hass-Kommentare können jeden betreffen, doch laut Studien sind das vor allem öffentliche Personen, Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund. Und Donald Trump, aber der ist irgendwie in allem eine eigene Kategorie. Doch nicht mal ihm wünsche ich Hass-Kommentare an den Hals. (... obwohl, wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch wieder heraus. Gell, Mister Trump?!)
Bei mir kommt also viel zusammen: öffentliche Person UND Frau UND Migrationshintergrund väterlicherseits. Jackpot! „Trotzdem“ kann ich glücklich verkünden, dass ich so gut wie nie üble Kommentare bekomme!
Meinungsfreiheit ist ein grundlegendes Menschenrecht, es ist aber leider für einige gleichbedeutend mit ihrem ganz persönlichen Recht auf Herabwürdigung. Doch Hass ist keine Meinung. Und darf nicht akzeptiert werden oder gar zur alltäglichen Norm werden. „Jo, der ... Ding ... der ist hoit a Wappler, loss eam!“ Nein, der Ding muss ins seine Schranken verwiesen werden. Dazu ein schönes Erlebnis: ein paar Fans haben letztens unter einem meiner Facebook-Posts offenbar einen negativen Kommentar (absurde erfundene Unterstellungen) gelesen und diesen Kommentator daraufhin freundlich aber klar in seine Schranken verwiesen. Sie haben mir Rückendeckung gegeben, solidarisch Stellung bezogen, sodass ich mich gar nicht mehr selber rechtfertigen musste. Was für ein Geschenk! Es ist eine hohe Kunst, Hass nicht mit Hass zu kontern. Sondern mit Argumenten, Fakten, Humor, neuen Sichtweisen oder mit Blockieren, Löschen oder einer Anzeige. Und im Notfall tut´s auch mal ein Stinkefinger Emoji! 🙂

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Nadja Maleh, Kurier-Kolumne, Mai 2020

Bullshit-Detektor

Ich habe kein Hutgesicht, Hüte stehen mir nicht. Was aber theoretisch jedem stehen müsste, ist ein Aluhut. Den kann man sich nämlich ganz leicht selber basteln und hinbiegen, bis er ... einem passt. Meiner Beobachtung nach gibt es unterschiedlich große Aluhüte. Vom winzigen Fingerhut bis zum riesigen Sombrero, der erfolgreich jegliches Licht vom Hirn fernhält und zerebrale Dunkelheit zur Folge hat, à la „Wir werden von gelbäugigen Echsenmenschen regiert, und der Mond ist nur ein hohles Bühnenbild, deswegen sehen wir die Rückseite nie!“. Deshalb mein Vorschlag: können wir bitte die jeweilige Aluhut-Größe bestimmen und differenziert bewerten? Und noch wichtiger: kann bitte irgendwer möglichst rasch einen Bullshit- Detektor erfinden, der beim geringsten Übertreten der Grenze zwischen konstruktiver Skepsis und Verschwörungstheorie laut piept. Bitte!
An den Hüten sollt ihr sie erkennen. Revolutionäre stehen auf Baskenmützen. Pilotinnen tragen fesche Pilotenmützen, Bloggerinnen bevorzugen lässige Fischerhüte und im Kleinwalsertal trägt man an Festtagen bestickte Seidenhüte und Spitzkappen, aber das ist nicht das einzige, wofür das Kleinwalsertal berühmt ist.
Will jeder Aluhut-Träger die Welt umkrempeln oder vielleicht doch nur die beginnende Glatze verdecken?! Hängen Aluhut und Kopf - Losigkeit irgendwie zusammen? Einen Hut kann man je nach Lust und Wetterlage einfach abnehmen, aber wie wird man seinen Aluhut los? Durch vernünftiges Nachdenken, durch kritischen Faktencheck, durch Informationsgewinn aus seriösen Wissensquellen oder einfach auf willhaben?
Für die Umwelt ist die Herstellung von Alufolie extrem belastend. Vielleicht könnte man ja umsteigen auf ein Backpapier-Hütchen, ein Bienenwachstuch-Kapperl oder einfach eine Brotdose aus Holz ... alles sinnvolle Alternativen!

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Nadja Maleh, Kurier-Kolumne, März 2020

Ich weiß, ich weiß, was du nicht weißt, und das ist ... nichts!

Haben Sie schon mal was vom Dunning-Kruger-Effekt gehört?
Nein? Macht nichts, ist vielleicht auch besser so. Denn er könnte Ihr Weltbild erschüttern. Also, vereinfacht gesagt geht es dabei um eine Studie ... von den Herren Dunning und Kruger, die belegt: je weniger man weiß, desto mehr hat man das Gefühl, dass man total viel weiß! Stichwort Selbstüberschätzung in Kombination mit Inkompetenz. Der Mensch ist offenbar recht unfähig, sich selber objektiv zu beurteilen. Hilfe! Unwissenheit führt oft zu mehr Selbstvertrauen als Wissen. Hilfe! Das wirft ein ganz neues Bild auf Komplimente wie „Wow, du strahlst echt viel Selbstvertrauen aus!“ Ist das etwa ein Code für „Träum weiter, du ahnungsloses Tschopperl!“? Es ist doch so: wenn man depat ist, dann ist man vielleicht auch zu depat, um zu kapieren, dass man depat ist. (Das wäre Fluch und Segen gleichzeitig!) Denn die Fähigkeit, die man benötigt, um Depatheit zu erkennen, ist doch genau die Fähigkeit, die man eben nicht hat, wenn man depat ist. Hilfe, bin ich depat und weiß es nicht? Doch halt! Ich denke, ich bin in Sicherheit, denn ... um ehrlich zu sein weiß ich oft nur allzu genau, dass ich mich grad depat verhalte. Würde das nicht bedeuten, dass ich g´scheit genug bin um zu erkennen, dass ich manchmal auch depat bin? Bin ich g´scheit genug, um depat zu sein? Oder zu depat, um unterscheiden zu können, ob ich depat oder g´scheit bin? Wir werden es nie erfahren.
So, ich werde mich jetzt mal schlau machen über die Herren Dunning und Kruger. Vielleicht haben die ja ihre eigene Studie über Selbstüberschätzung völlig überschätzt. Und dann geh ich shoppen, ich kauf mir eine rosarote Brille! Alles wird gut, das weiß ich (aber vielleicht irre ich mich auch, das wäre depat!).

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Nadja Maleh, Kurier-Kolumne, Februar 2020

Die Hoffnung stirbt – wenn überhaupt – dann zuletzt!

Wenn man sehr jung ist und ältere Menschen mit Fältchen oder kleinen Wehwehchen sieht, dann denkt man sich: „Bei mir wird das sicher ganz anders!“ Und schwups ist man älter und bekommt Fältchen und kleine Wehwehchen. Wenn man dann älter ist ... und sehr alte Menschen mit Schnecken-Gehtempo und liebenswerten Schrulligkeiten sieht, denkt man sich wieder „Bei mir wird das sicher ganz anders!“ Und schwups ist man alt und bekommt .... Sie ahnen es, das ganze Paket! Gott hat definitiv Humor! Vielleicht ist das eine Art Schutzmechanismus, der unsere natürliche Angst vor dem Älterwerden vernebelt! Dieses heile Phantasiegebilde der rosigen Zukunft lullt uns ein und singt uns sirenengleich das Lied der ewig straffen Haut und des Rückgrats aus Platin. Und wir drehen auf volle Lautstärke und singen mit “Bei mir wird sicher alles anders als bei allen anderen, Trallalalaaa!“. Warum nicht?! Realismus wird überbewertet!
Ja, es gibt sehr unterschiedliche Arten zu altern, aber eines haben alle gemeinsam: man wird älter. Und das ist ja auch gut so. Denn die Alternative ist tot zu sein, und das klingt für mich deutlich weniger attraktiv. Ich freue mich tatsächlich über jeden einzelnen Tag, an dem ich aufwache und Herrin meiner sieben Zwetschgen bin. Nichts ist selbstverständlich, und das Leben schuldet mir nichts. Alles ist ein Geschenk. Gut, manche Geschenke würde ich dem Leben gerne wieder zurückgeben mit der Aufschrift „Empfängerin unbekannt verzogen“, aber es hat sich herausgestellt, dass das Leben immer Kenntnis über meine aktuelle Adresse hat. Die überirdische Post funktioniert – im Gegensatz zur irdischen – immer! Und ganz am Ende, wenn man dann endgültig ins Unbekannte verzogen ist, eben mit Nachsendeauftrag, Aber bis dahin volle Kraft voraus!! und sehr alte Menschen mit Schnecken-Gehtempo und liebenswerten Schrulligkeiten sieht, denkt man sich wieder „Bei mir wird das sicher ganz anders!“ Und schwups ist man alt und bekommt .... Sie ahnen es, das ganze Paket! Gott hat definitiv Humor! Vielleicht ist das eine Art Schutzmechanismus, der unsere natürliche Angst vor dem Älterwerden vernebelt! Dieses heile Phantasiegebilde der rosigen Zukunft lullt uns ein und singt uns sirenengleich das Lied der ewig straffen Haut und des Rückgrats aus Platin. Und wir drehen auf volle Lautstärke und singen mit “Bei mir wird sicher alles anders als bei allen anderen, Trallalalaaa!“. Warum nicht?! Realismus wird überbewertet!
Ja, es gibt sehr unterschiedliche Arten zu altern, aber eines haben alle gemeinsam: man wird älter. Und das ist ja auch gut so. Denn die Alternative ist tot zu sein, und das klingt für mich deutlich weniger attraktiv. Ich freue mich tatsächlich über jeden einzelnen Tag, an dem ich aufwache und Herrin meiner sieben Zwetschgen bin. Nichts ist selbstverständlich, und das Leben schuldet mir nichts. Alles ist ein Geschenk. Gut, manche Geschenke würde ich dem Leben gerne wieder zurückgeben mit der Aufschrift „Empfängerin unbekannt verzogen“, aber es hat sich herausgestellt, dass das Leben immer Kenntnis über meine aktuelle Adresse hat. Die überirdische Post funktioniert – im Gegensatz zur irdischen – immer! Und ganz am Ende, wenn man dann endgültig ins Unbekannte verzogen ist, eben mit Nachsendeauftrag, Aber bis dahin volle Kraft voraus!!

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Nadja Maleh, Kurier-Kolumne, Jänner 2020

Nachsatz zum guten Vorsatz

Fünf Tage sind im neuen Jahr bereits vergangen. 5 Chancen, Ihre neuen guten Vorsätze a) zu erfüllen b) zu vergessen c) zu ignorieren d) zu überdenken e) zu verachten e) zu verfluchen f) anzuzweifeln g) zu ... bereuen h) wegzutrinken i) wegzumeditieren j) wegzulachen.
Ich verstehe den nur allzu menschlichen Wunsch, ein bestimmtes Datum im Kalender möge auf magische Art und Weise die innere Antriebskraft aktivieren und das bisher Unmögliche plötzlich möglich machen. Rituale geben Struktur. Und die Natur lädt uns geradezu ein, das Neue zu wagen! Die Tage werden wieder länger - Aufbruchsstimmung! Und falls wir dann doch an unseren guten Vorsätzen scheitern, na dann haben wir ja ohnehin genug Erklärungen und Ausreden dafür: a) es ist doch noch nicht der richtige Zeitpunkt b) das blöde Wetter ist gerade zu kalt dafür c) der blöde linksdrehende Mondknoten im Saturn, oje das ist jetzt gerade echt ungünstig ... d) naja, die ganzen Flüchtlinge überall e) ich warte noch, bis ... sich irgendwann irgendwas ändert f) die blöde Regierung g) so viele Essenseinladungen, ich kann doch jetzt nicht mit Alkohol aufhören h) im Fernsehen laufen grad so supere Filme, ich hab schauen müssen und hatte deshalb keine Zeit i) neueste wissenschaftliche Ergebnisse beweisen: Sport ist doch extrem ungesund j) neueste wissenschaftliche Ergebnisse beweisen: Zucker ist doch extrem gesund j) ich wurde am 1.1.20 von Aliens entführt und 5 Tage lang - bis gerade eben – in ihrem Raumschiff festgehalten.
Ich glaube an Sie! Sie schaffen das!
Sie wissen, was Ihnen guttut!
Sie wissen genau, was Sie wollen.
Sie spüren sich selber und haben Kontakt zu Ihren authentischen Bedürfnissen. Und wenn doch mal was nicht so gut klappen sollte, dann ... siehe Ausreden oben.
2020 wird IHR Jahr, das spüre ich ganz genau!

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Nadja Maleh, Kurier-Kolumne, Dezember 2019

Komplimente, die daneben gehen

Zuerst denken, dann reden, lautet dieser naseweise Spruch, den man Kindern gern mal um die Ohren haut. Ich würde sagen, der richtigere Adressat dieses Spruchs wäre wohl eher so manch ein Erwachsener. Kinder sind noch klein, die dürfen alles, aber ... welche Erklärung haben Erwachsene für ihre verbalen Fettnäpfchen-Ausrutscher?
Realität ist, dass wir alle quasi gleichzeitig Denken und Sprechen, sonst wäre ein natürlicher Redefluss ja gar nicht möglich! Denkpausen machen Sinn, hin und wieder ein „Ähm“ stört niemanden! Aber manchmal hackt es woanders, nämlich am fehlenden Höflichkeitsfilter! Da bricht die uncharmante Wahrheit durch und man hört sich selber etwas sagen, was einen in der Sekunde vielleicht sogar irritiert, aber es ist dann genau die eine Sekunde zu spät, um es zurückzunehmen. Letztens kam eine nette Dame nach meinem Kabarettauftritt zu mir und meinte begeistert „Ich hatte mir Null erwartet, und Sie haben meine Erwartungen voll erfüllt!“. Ich ging hier von einem seltsam formulierten Kompliment aus! Ein andermal hörte ich „Sie singen sehr gut, Sie sollten überhaupt nur mehr singen!“, „In Echt sind Sie gar nicht so hübsch!“ oder „Machen Sie das beruflich?!“ Aber no problem, ich gehe bei meinem lieben Publikum immer vom Besten aus! Doch es gibt da einen Feedback-Satz, den ich mir beim besten Willen nicht schönreden kann: „Für eine Frau echt lustig!“. Dieser „gutgemeinte“ Satz macht ein Frauen-benachteiligendes Vorurteil sichtbar, und ich finde es wichtig, das auszusprechen und zu erkennen. Denn die diskriminierende Vorannahme ist hier offensichtlich: „Frauen sind nicht lustig. Punkt.“. Darauf möchte ich sagen: „Benachteiligende Vorurteile sind nicht lustig. Punkt.“ Es gilt also: vor Inbetriebnahme des Mundes bitte Gehirn und Herz einschalten!

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Nadja Maleh, Kurier-Kolumne, November 2019

Wahre Geschichte!

Warum bin ich ein Magnet für absurde Erfahrungen? Also ganz von vorne: ich habe im Oktober ein Firmentraining im Burgenland geleitet. Ich liebe es, Menschen in ihr kreatives Potential hineinzubegleiten! So weit, so gut. In der Pause ... sitzen wir alle draußen im sonnigen Garten des Seminarhotels und trinken Kaffee. Ich will gerade einen Schluck nehmen und plötzlich – Auaa! Wespenstich in meine Zungenspitze. Ist die blöde Wespe, offenbar benebelt von der Herbsthitze, in einem unbemerkten Moment in meine Kaffeetasse getaumelt. Gott sei Dank habe ich das Viech nicht geschluckt, sonst gute Nacht! Ich hatte also großes Glück im Unglück!! Die Zunge schwillt sofort an und schmerzt, ich tu gleich Eis drauf, mir geht´s soweit gut. Der sympathische Notarzt aus dem Ort kommt an und meint tiefenentspannt: „Naja Sie sind zumindest nicht tot.“ Darauf ich: „Nein, außer das hier ist der Himmel und Sie Petrus.“ Dann mit der Rettung ins nächstgelegene Krankenhaus. Ich bekomme eine Histamin-Infusion von einer lieben aber toughen Krankenschwester. Auf meine Frage nach einem Schmerzmittel meint sie mit ungar. Akzent: „Ich hattä große Operation ohne Narkosä, wollen Sie wirklich Schmärzmittel DÄSWÄGÄN??!“ Will ich nicht, will auch tough sein. Ich schleppe mich zur nächsten Busstation. Er kommt, ich steige ein und sehe: der Busfahrer ist Elvis Presley Imitator! Mit Tolle, Koteletten und Sonnenbrille. Er erkennt mich: „Hui, a Berühmtheit foahrt do mit mir!“. Meine geschwollene Zunge macht eine Antwort unmöglich, ich lächle gequält. 2 min. Stille. Dann: „Mir san do!“. Endlich im Zug nach Hause. Die nächsten Tage dann eine riesige Zunge, ich zutzle UND hölzle beim Sprechen!
Die Conclusio: ich bin ein Glückspilz! Und ich weiß jetzt, dass Elvis Presley noch lebt und Busfahrer im Burgenland ist!

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Nadja Maleh, Kurier-Kolumne, Oktober 2019

Schadensmeldung

Ich habe einen Schaden. Das ist jetzt keine große Neuigkeit, meine Freunde würden das achselzuckend bestätigen! Aber was ich hier meine, ist ein Wasserschaden. Meine Duschwanne ist gebrochen. Nein, nicht weil ich ... ein paar Tonnen zugenommen habe und Duschwannen eben nicht für Walrösser konstruiert sind! Sondern weil sie offenbar fehlerhaft gebaut war. Oder weil Dinge einfach kaputt gehen. Jetzt sammelt sich Wasser unter dem Laminatboden im Vorraum, der sich wellt. Im Zuge dieser Erfahrung muss ich bemerken: ich hasse es, wenn Dinge kaputt gehen, das ist lästig, es nervt mich! Dinge haben einfach zu funktionieren. Geht´s Ihnen auch so?
Aber was ist denn das bitte für eine lebensfremde Einstellung? Dinge halten eben eine gewisse Zeit lang, dann werden sie abgenutzt und irgendwann kaputt. Auch Menschen entkommen dem Wandel der Zeit nicht. Spätestens seit meinem 40. Geburtstag sollte mir doch eigentlich glasklar sein, dass NICHTS auf dieser Welt ewig hält. (... außer Madonna. Straff und faltenfrei wie in den 80-er Jahren. Ich muss anerkennend bemerken: ich glaube, die hat eine längere Haltbarkeit als Radioaktivität.) Mir ist also durchaus bewusst, dass alles früher oder später einen Service benötigt. Auch mein Körper braucht hin und wieder eine Wartung oder eine Reparatur! Und dennoch fühle ich mich jedes Mal überrumpelt, wenn es passiert, aus dem geschmeidigen Fluss des Lebens gerissen. Aber manchmal muss etwas Altes kaputt gehen, damit Platz für etwas Neues geschaffen wird. „Im Nachhinein ist man immer gescheiter“, heißt es doch. Vielleicht wird mich meine neue Duschwanne deutlich gescheiter machen als die alte. Und erfolgreicher! Und jünger! So wie Madonna! Juhu, eine magische neue Duschwanne! So betrachtet ist jeder Schaden doch irgendwie auch ein Segen! Oder?

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Nadja Maleh, Kurier-Kolumne, September 2019

Wetter ist immer

Wahnsinn, wie heiß der Sommer war, was haben wir geschwitzt und uns nach Abkühlung gesehnt! Jetzt zieht der Herbst ins Land. Na geh, der Sommer ist vorbei und es wird kühler! Jetzt regnet es, dieser blöde ... Regen. Und dieser graue Himmel, wie trostlos. Bald ist Winter, Kälte und Schnee. Dann kommt wieder der Frühling, sicher zu früh oder zu spät oder zu heiß oder zu windig oder ... irgendwas ist immer. Irgendwas macht das Wetter immer falsch, zumindest in den Augen des Wieners. Der Wiener hat recht, das depperte Wetter irrt sich!
Ist es eine generelle Eigenschaft aller Menschen (nicht nur der Wiener!), den Blick auf das zu fokussieren, was nicht passt? Also wenn 96 % passen, dann werden die nicht passenden 4 % lang und breit bejammert. Aber die passenden 96 % werden kaum wahrgenommen, als selbstverständlich angesehen oder als wurscht. Genügt die Erklärung, dass das Hirn evolutionsbedingt darauf programmiert ist, Gefahren aufzuspüren? Den vielzitierten Säbelzahntiger, der sich im Gebüsch versteckt? Für den Steinzeitmenschen mag das eine wichtige Überlebensstrategie gewesen sein, aber gilt das noch für den modernen Menschen von heute? Es geht nicht darum, sich die Realität rosarot zu malen, sondern um das bewusste Wahrnehmen des Schlechten aber eben auch des Guten! Ein Nein zum Schlechten ist o.k., aber ein großes lautes JA zum Guten ist auch ziemlich o.k.!
Schauen Sie sich um, können Sie jetzt in diesem Augenblick einen Säbelzahntiger entdecken? Wenn ja, legen´S bitte um Gottes willen die Zeitung weg und rennen Sie um Ihr Leben! Wenn nein, dann genießen Sie den Moment! Niemand muss wertschätzende Gedanken über einen eingewachsenen Zehennagel haben, aber was ist mit einem leckeren Kaffee oder schöner Musik!? Ich wünsche Ihnen ein gutes säbelzahntigerfreies Leben!!

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Nadja Maleh, Kurier-Kolumne, Juli 2019

Augen auf, ihr Smombies!

Wenn die Gazelle in der Serengeti andauernd auf ihr Handy glotzen würde, dann hätte sie kaum eine Chance den Löwen mitzubekommen, der sich langsam von Hinten anschleicht, um sie zu fressen. Außer der Löwe glotzt auch den ganzen Tag auf sein Handy. Dann ... hätte man bald zwei magere Viecher. Zumindest, bis der Akku leer ist.
In Holland gibt es keine instagram-süchtigen Gazellen, die andauernd auf Handy glotzen. Im Grunde genommen gibt es dort gar keine Gazellen, aber darum geht es jetzt nicht. In Holland gibt es einen kleinen Ort namens Bodegravens. Dort wurde 2017 ein Pilotprojekt gestartet: Fußgänger - Bodenampeln. Warum? Weil zu viele Menschen (die sogenannte „Generation Kopf-unten“) im Straßenverkehr runter auf´s Handy schauen anstatt rauf auf die Ampel oder nach links und rechts auf die Fahrzeuge. Was unzählige Notbremsungen und Unfälle zur Folge hatte. Diese smartphoneguckenden Menschen („Smombies“ lautet der Fachausdruck) müssen also vor sich selber geschützt werden. Mit Bodenampeln.
Nach Jahrtausenden der faszinierendsten Entwicklungen und Erfindungen wie den Plattenspieler, das Flugzeug oder mausförmiges Katzen-Zahnpflege-Gummi-Spielzeug sind wir also auf der Evolutionsstufe angelangt, wo vernunftbegabte Lebewesen in Gefahrensituationen knallrot blinkende Warnsignale nicht bemerken, weil sie grad woanders hinschauen, wo sie aber eh den ganzen Tag lang hinschauen.
Ist das nicht absurd? Gut, ich muss an dieser Stelle etwas beichten. Ich gebe es nur ungern zu, aber ich gebe es zu, dass ich letztens im Gehen während des auf´s Handy-Glotzens am Gehsteig um ein Haar voll in einen Pfosten gelaufen wäre. Ich verstand plötzlich: Ah, daher leitet sich das österreichische Wort „Vollpfosten“ ab. Aber da hätten mir Smombie Bodenampeln auch nicht helfen können!

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Nadja Maleh, Kurier-Kolumne, Juni 2019

Teuflische Autokorrektur

Wenn es den Teufel wirklich gibt, dann steht eines fest: Er hat die Autokorrektur erfunden! Jetzt ist Kommunikation ohnehin schon voller Missverständnisse, aber das hat dem Teufel noch nicht gereicht! Er hat sich gedacht: ... die Menschen streiten noch nicht oft genug, ich erfinde die Autokorrektur, dann haben wir auch noch die Cyberhölle auf Erden!
Autokorrektur ist ja eine Hilfe. Aber weniger für den Menschen, sondern eher für den Herrscher der Finsternis, denn da entstehen Hoppalas ganz nach seinem Geschmack! Hier ein kleiner Erlebnisbericht: Das kleine Wörtchen „zwischenzeitlich“ wurde wohl in einem firmeninternen Mail durch Autokorrektur zu „Zwiebelfleischpenis“. Man kann sich vorstellen, dass das toll ankam beim Chef! „Sg. Herr Müller, könnten Sie bitte Zwiebelfleischpenis Kontakt zu Herrn Huber aufnehmen?!“ Aber so ein kleines Missverständnis läßt sich bestimmt leicht klären, beim nächsten Petting mit dem Herrn Müller! Ähm, Meeting. Meeting natürlich!
Und apropos Romantik: welche Frau würde sich nicht über eine Einladung zu einem Candle Light Döner freuen?!
Auch letztens gelesen: Nach ihrer Hotelzimmerreservierung bekam eine Dame die freundliche Antwort „Sg. Frau Berger, late check in ist bei uns überhaupt kein Problem, und gerne können Sie bis 22:00 Uhr unseren Wellnessbereich putzen!“ Naja, vielleicht ist Frau Berger ja exhibitionistisch veranlagt und möchte ihren Hotelaufenthalt zum Putzen in Stutzen nutzen! (Da riecht man förmlich den Schwefel! Teuflisch guter Plan!)
Und ich sag´s gleich: Ich kann für diese Kolumne keine Verantwortung übernehmen. Meine Katze ist über die Tastatur gelaufen und hat das getippt! Solche Sachen passieren! Ehrlich!

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Nadja Maleh, Kurier-Kolumne, Mai 2019

Wutbürger, Mutbürger, Hutbürger …

Manchmal bin ich wütend. Richtig wütend. Dann meldet sich sofort mein innerer Zensor und flüstert mir schreiend ins Ohr: „Neeiiin! Du darfst nicht wütend sein! Frauen sind ... weich und lieb und verständnisvoll, Wut macht schiache Falten und ist voll der Abtörner. Du bist doch kein Wutbürger, keine Furie, keine Kratzbürste, keine Giftnudel!“
„Xanthippe war ein böses Weib, der Zank war ihr ein Zeitvertreib“ schreibt Diogenes über Sokrates hitzige Frau.
Zank als Zeitvertreib? Hm, Lesen vielleicht, oder Klöppeln, aber Zank? Hat sich vielleicht mal jemand gefragt, WARUM die Oide so zankfreudig wütend war? Vielleicht hatte sie gute Gründe dafür! (Sokrates herumliegende Socken zum Beispiel. Sein kratziger Anti-Schmuse-Rauschebart. Oder seine ewige Fragerei) Wut hat immer Gründe. Reale oder eingebildete, aber subjektiv empfundene Gründe. Und sie runterzuschlucken ist keine gute Lösung, das macht krank. Passive Aggression lässt grüßen! Aber anderen die eigene Wut umzuhängen ist auch keine Tippi-Toppi-Lösung. Vielleicht darf man sie einfach erleben, sie zulassen und spüren, und dann kann sie gehen. Das erfordert Mut. Dann wird man vom Wutbürger zum Mutbürger und letztendlich zum Gleichmutbürger! (Was nicht mit einer mir-is-ois-wurscht-Haltung zu verwechseln ist!) Und vor solchen ziehe ich meinen Hut, was mich wiederum zur Hutbürgerin macht!
Aber dem Sokrates hat sein grantiges Vollblut (ihr Name leitet sich von xanthós „blond“ und híppos „Pferd“ ab) eh total getaugt! Er stand auf ihr Temperament! Denn er meinte mal, ein rechter Reiter trainiere ja auch nicht auf den allerbravsten, sondern auf schwer zu bändigenden Pferden! In diesem Sinne: Hü Hopp, Vorwärts! Vom Wut-Galopp in den Gleichmut-Trab, dazwischen auch mal eine kleine Schrittpause! enjoy the ride!

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Nadja Maleh, Kurier-Kolumne, April 2019

Hoppalas im Weltall

Bin ich froh, dass nicht ich als erster Mensch die Mondoberfläche betrat, sondern der liebe Neil Armstrong. Schauen Sie, ich bin Schauspielerin, ich stehe regelmäßig mit viel Text vor vielen Menschen auf der Bühne. Ich verspreche ... mich selten, aber hin und wieder eben doch. Ist unangenehm, aber kein Grund, sich selber auf den Mond zu schießen! who cares! Das verspielt sich in den Weiten des Universums!
Aber jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie sind der erste Mensch am Mond. Die GANZE Welt hört Ihnen zu, wie Sie diesen epochalen Akt kommentieren (mit Worten, die Sie sich vorher natürlich detailgetreu zurechtgelegt haben) und dann, im Augenblick der Wahrheit, versprechen Sie sich. Sie verhaspeln sich. Weil Sie grad ein Kometenbröckerl am Ellbogen gestreift hat. Oder einfach, weil´s oarg is, im All umanandazufloaten. Die Welt hält den Atem an, man wartet auf Ihre grandiosen Worte, und Sie sagen feierlich, „Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein riesiger Sprung für den Menschen. Hoppala, die Menschen … Heit … also ähm, die Menschheit, weil quasi alle.“ Und dann versuchen Sie fatalerweise, die Situation etwas aufzulockern: „Was ich damit sagen will, Gravitation is eh leiwand, aber Hallo! Ich leb grad am Mond! Ich am Mond, ihr hinterm Mond. Ha ha! Ich am und ihr hinterm! Ha ha ha!“ Und als ob das nicht genug wäre, legen Sie noch ein Schäuferl drauf und mimen einen kläglichen moonwalk.
Ob man dann wohl auch in allen Geschichtsbüchern stehen würde? Mond hin oder her. Bin ich froh, dass ich nicht der erste Mensch am Mond war. Und überhaupt, ich als lactoseintolerante Vegetarierin hätte die Astronautennahrung ohnehin nicht vertragen. Danke Neil!

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Nadja Maleh, Kurier-Kolumne, April 2019

Uhrvertrauen

Nein, ich habe mich nicht verschrieben. Das wär ja urblöd!
Urvertrauen oder Uhrvertrauen, lassen Sie uns über beides sprechen! Was gibt Ihnen mehr Halt? Ihre Intuition oder ... Ihre Uhr?! Die Uhr sagt: 12:30, Zeit für Futter! Aber der Bauch sagt: Nö, null Hunger. Auf wen hören Sie eher?
Ob wir alle die meiste Zeit auf Autopilot durchs Leben cruisen? Und uns Rhythmen statt vom Inneren (in Form von Intuition, natürlichen dynamischen Bedürfnissen, gefühlten Wahrheiten) eher vom Außen (in Form von Regeln, Medien, schlauen Büchern, kollektiven Glaubenssätzen und eben auch Uhren) vorgeben lassen?
Klar, Regeln zum Zusammenleben braucht es. Aber so viele?
Mit 10 ist es angebracht, die Barbie wegzulegen.
Mit 20 soll man über die Zukunft nachdenken.
Mit 30 ist es höchste Zeit, erwachsen zu sein.
Mit 40 sollte man angekommen sein (Wo? Am Bahnhof des Wissens? An der Bushaltestelle „I kenn mi aus!“?)
Mit 50 sollte man eine midlifecrisis in Betracht ziehen.
Mit 60 sollte man als Frau keine langen Haare mehr haben.
Mit 70 ist der lovetrain längst abgefahren.
Mit 80 kann man nichts mehr Neues lernen … und so weiter und so fort. wtf?
Wir haben so glasklare Vorstellungen davon, wie MAN zu sein hat. Aber wer ist MAN? Hat der oder die ein fb-Profil, wo man mal nachfragen könnte: „Oida, wie lebt MAN eigentlich richtig?!“ So, jetzt mal alle aufzeigen, die sich auch nie als Durchschnitts-MAN empfunden haben! Hui! welcome in the club! Wie wäre es mit ein bisserl Freiraum/Freuraum ohne Uhren, die uns sagen, wofür es gerade Zeit sein sollte!? Vertrauen wir drauf, dass das möglich ist! Alles andere wär doch blöd. Uhrblöd!